среда, 7 декабря 2016 г.

国立新美術館

Ich war am Wochenende im Nationalen Kunstzentrum Tokio. Auf Instagram gibt es sehr viele Bilder von diesem Gebäude, deshalb wollte ich da auch unbedingt hin. Wahrscheinlich hat mich die Architektur des Museums mehr interessiert, als dessen Inhalt, aber das hat sich nachher geändert.
Dieses Kunstzentrum wurde vor neun Jahren eröffnet und scheint ein beliebter Ort in Tokio geworden zu sein. Als ich nach der Ausstellung moderner japanischer Kunst gesucht habe, standen die Japaner schon in einer riesen Schlange, um sich nach 2 Stunden Wartezeit Dali ansehen zu dürfen. Vielleicht war man als Europäer einfach zu oft in seinen Ausstellungen, aber ich könnte wetten, nicht mal 10% von den anstehenden Japanern wären in der Lage zu sagen, welche künstlerische Bewegung das ist. Die Japaner lieben Schlangen, es kann ja nur was gutes sein, wenn so viele Leute dafür anstehen, und es ist ganz egal, worum es inhaltlich überhaupt geht. Doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass selbst wenn man endlich in die Ausstellung gelangt, man einfach zusammengepresst durch die Ausstellungsräume geschoben wird, ohne die Möglichkeit zu haben, ein Bild in Ruhe zu betrachten. Sowas tun die sich am Wochenende an, Yamanote-Syndrom nenne ich das.
Die reguläre Ausstellung日展 war dafür umso entspannter, im ersten Stock findet man zeitgenössische Gemälde, die meiner Meinung nach einen zu großen westlichen Einfluss erlitten haben. Ich konnte kaum authentische japanische Techniken oder Motive finden, doch es gab auch einige Bilder, die ich wirklich interessant fand. Modern, neu verarbeitet, aber immer noch sehr japanisch. Zum Beispiel, das Gemälde "瞬く" von Fukuda Asako (福田あさ子), das ein Mädchen in traditioneller Kleidung und einen Kranich auf dem roten Hindergrund darstellt, oder "長岡花火・フェニックス" von Watanabe Keisuke (渡辺啓輔).
Im zweiten Stock befindet sich der handwerkliche Teil der Ausstellung - "Craft as Art", da habe ich mich endgültig in die japanische Kunst verliebt. Mein Vokabular im Bereich der bildenden Künste ist leider sehr begrenzt, deshalb kann ich nur empfehlen, dort hinzugehen und sich das mit eigenen Augen anzusehen. Schade, dass Junko nicht vorhat, nach Tokio zu kommen, sie hätte mir bestimmt alle Begriffe aus Japanisch erklärt.
Im dritten Stock gibt es eine Ausstellung von Kalligraphien, aber das war Bastian und mir dann doch "too much". Übrigens, für alle drei Stöcke zahlt man als Student 700 Yen. Es ist nicht gerade günstig, aber wenn man auf einen Kombinigang verzichtet, kann man sich das einmal leisten.
Ab der nächsten Woche gibt es in diesem Kunstzentrum eine neue Ausstellung japanischer Kunst "明日展", die sie aus irgendeinem Grund "Domani" genannt haben, was auf Italienisch einfach "morgen" heißt. Entweder verstehen die Japaner Italienisch besser als Japanisch, oder es ist (höchstwahrscheinlich) so ein Trend. Auf dem Flyer stand noch "The Art of Tomorrow: reconsider Japan". Ich bin auf jeden Fall gespannt und froh, dass ich mich endlich mal soweit hier eingelebt habe, dass es für Kunst und Literatur wieder einen Platz in meinem Leben gibt.
Zum Abschluss unseres kulturellen Samstags sind wir durch Roppongi spazieren gegangen. Ich fand dieses Viertel richtig schön, in der Nähe des Museums gibt es den Park "Midtown Garden", meine persönliche Empfehlung für gemütliche Spaziergänge. Roppongi Hills sind auch ganz schön. Neben dem Mori Tower sind wir rein zufällig auf einen Weihnachtsmarkt gestoßen und haben uns einen Glühwein zum Preis von 600 Yen gegönnt. Nostalgie ist halt teuer, aber verdammt lecker.


2 комментария: